|Rezension| Die Liebe an miesen Tagen – Ewald Arenz

von | Feb 2, 2023 | 0 Kommentare

Für das richtige Leben ist es nie zu spät

Verlag: Dumont
Gebundene Ausgabe: 24,00 Euro
Ebook: 19,99 Euro
Erscheinungsdatum: 16.01.2023
Seiten: 384

„(…) – im Ganzen fuhr ein Zug auch dann zum falschen Ziel, wenn man in ihm gegen die Fahrtrichtung ging. Denn irgendwann war das Ende des Zuges erreicht, und man stellte fest: Ich habe mich die ganze Zeit belogen. Ich war einfach im falschen Zug.“ (S.116)

Inhalt

Vom ersten Moment an wissen Clara und Elias, dass sie füreinander bestimmt sind. Damit ändert sich alles: Elias kann nicht länger verdrängen, dass er mit seiner Freundin in einem falschen Leben steckt. Und für Clara wird es Zeit, das Alleinsein aufzugeben. Auf das wilde Glück der Anfangszeit folgt die erste Bewährungsprobe, und die beiden zweifeln und kämpfen mit- und umeinander.
Kann man, nicht mehr ganz jung und beladen mit Lebenserfahrung, noch einmal oder überhaupt zum ersten Mal die große Liebe finden?

Mein Eindruck

“Die Liebe an miesen Tagen” ist mein erstes Buch von Ewald Arenz, wobei ich mir erst kürzlich “Alte Sorten” kaufte, weil ich bisher nur Lobeshymnen darüber hörte. Sein neuester Roman sprach mich aber thematisch noch mehr an, so dass ich ihm den Vorzug gab.

Zu Beginn der Lektüre hatte ich Probleme, mich auf Ewalds Schreibstil einzulassen. Seine Sprache ist wohlformuliert und seine Wetterbeschreibungen zeugen zwar von einer feinen Beobachtungsgabe, waren in ihrer Häufigkeit aber für meinen Geschmack zu präsent. Ich habe erst so richtig in die Geschichte hineingefunden als Elias und Clara, die beiden Protagonisten, aufeinandertreffen. Ihre ironischen Dialoge, in denen sie sich einen Schlagabtausch nach dem nächsten liefern haben mich über die Wetterbeschreibungen hinwegsehen, und ja, ich gestehe, auch hinweglesen lassen. Wie der Autor den Zauber des Kennen- und Liebenlernens einfängt und dabei die Umstände, dass jede:r bereits sein Päckchen zu tragen hat, nicht außer Acht lässt, hat mir unglaublich gut gefallen. Die humorvollen Dialoge werden durch philosophische Betrachtungen über die Liebe im Allgemeinen und Besonderen wunderbar ergänzt. Mit 10 markierten Textstellen im Roman hat “Die Liebe an miesen Tagen” die Messlatte bereits im ersten Monat des Jahres ziemlich hoch gelegt. 

Etwa ab dem letzten Drittel des Romans wird die Handlung derart spannend und dramatisch, dass es mir schwer fiel das Buch trotz allerlei Ablenkungen und Verpflichtungen im Alltag aus der Hand zu legen. Am Ende konnte ich das Buch mit einem zufriedenen Gefühl und einer wohligen inneren Wärme zuklappen. Ohne zu viel verraten zu wollen, hatte ein unvorhergesehenes Ereignis am Ende das Ruder zu “Es wird mir hier alles zu happy.” rumgerissen – das war perfekt so. Überhaupt ist der Roman an den richtigen Stellen romantisch und lieblich, an anderen wiederum gnadenlos direkt und fast schon zu nah an der Realität.

In anderen Rezensionen las ich, dass das Buch missfällt, weil die Protagonistin egozentrisch handeln würden. Ich denke nicht, dass es in “Die Liebe an miesen Tagen” um Egozentrik geht, sondern vielmehr darum, dass man aus der Summe der Erfahrungen, die man gemacht hat, auf eine bestimmte Art und Weise agiert. Jede:r ist von seiner bzw. ihrer Vergangenheit geprägt. Die Frage, der Arenz in seinem Roman nachgeht, ist doch vielmehr die, ob man bereit ist trotz der Erfahrungen, die einen geprägt haben, mutig genug ist, sich voll und ganz auf einen anderen Menschen einzulassen in der vollen Gewissheit, dass das auch wieder schief gehen kann. Und was passiert, wenn man sich traut, dann aber äußere Umstände einen an der Entscheidung zweifeln lassen? Um die Beantwortung dieser Fragen geht es in “Die Liebe an miesen Tagen” und nicht primär darum, dass die Protagonisten egozentrisch handeln, indem sie Entscheidungen trafen und treffen, mit denen sie sich vermeintlich besser fühl(t)en.

Erwähnen möchte ich noch, dass ich trotz aller Begeisterung für die Geschichte von Clara und Elias an mancher Stelle beim Lesen stolperte und das Geschilderte hinterfragte, weil es mir nicht schlüssig erschien. So gibt es beispielsweise eine Szene, in der Elias morgens vom Bett aus die Liegestütze machende Clara beobachtet als sie gerade ca. 1 Woche zusammen sind – ähm, really? Hat man da morgens nichts besseres zu tun? Die Szene war mir irgendwie zu sehr männliches Wunschdenken als “aus dem Leben gegriffen”. 

Mein Fazit:

Du glaubst nicht an die große Liebe? Oder du bist der Meinung, dass die erste große Liebe sowieso nichts toppen kann? Dann solltest du unbedingt Ewald Arenz’ “Die Liebe an miesen Tagen” lesen. Dieser Roman überzeugt nicht nur handwerklich durch wohlformulierte, wunderschöne Sätze, sondern auch durch seine Message: Für das richtige Leben ist es nie zu spät. Trotz kleiner Schwächen ist dies ein Buch, das ich sehr, sehr gern gelesen habe und jedem empfehlen möchte, der den Glauben an die große Liebe schon (fast) verloren hat. 

 
Vielen Dank an den Dumont Verlag für das Rezensionsexemplar.
 
 
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