|Rezension| Es könnte so einfach sein – Anne Handorf

von | Jan. 28, 2026 | 0 Kommentare

Wenn eine gute Idee zu viel auf einmal will

Gebundene Ausgabe: 23,00 Euro
Ebook: 4,99 Euro
Erscheinungsdatum: 10.09.2025
Seiten: 321

„Es gehört zu den Merkwürdigkeiten unseres Lebens – wie kurz oder schön, wie glitzernd oder diesig es auch verlaufen sein mag-, dass wir nie wissen können, ob der Schneemann, den wir gerade gebaut haben, der letzte Schneemann unseres Lebens gewesen sein soll.“ (S.229)

Inhalt

Ein Sonntag im September 2005: Noch vier Wochen bis zur Wahl der ersten Kanzlerin für Deutschland, nur noch achtundzwanzig Tage für Bestseller-Autorin Vera Albach, um ihren Roman im Rekordtempo zu Ende zu schreiben. Nachdem sie in den 1960-ern mit Heftromanen begonnen und sich in einer Männerwelt durchgesetzt hat, soll dies ihr letztes Buch sein, sie hat es ihrem Mann Leo versprochen. Doch so einfach wie gedacht ist es nicht, das Loslassen. Vielleicht braucht es im echten Leben wie in jedem guten Buch eine kleine Überraschung vor dem großen Glück?

Eine Frau, die es wagt zu träumen, eine Ehe auf Augenhöhe – und eine jahrzehntelange Liebe, getragen von Respekt, Verständnis und einem lebensklugen Humor.

Mein Eindruck

“Es könnt so einfach sein” hat mich durch das schöne Cover magisch angezogen. Anne Handorf war mir bis dato unbekannt. Aber kein Wunder: Anne Handorf ist das Pseudonym von Carla Grosch und Volker Jarck. Dieser Roman ist also ein Gemeinschaftsprojekt, was man ihm meines Erachtens auch anmerkt.

Erzählt wird auf drei Ebenen. In Rückblicken verfolgen wir Veras berufliche und private Entwicklung: ihren Weg von der Sekretärin über das Ghostwriting bis hin zur erfolgreichen Romanautorin – zeitweise unter männlichem Pseudonym. Diese Passagen zeichnen eindrücklich nach, wie steinig der Weg für schreibende Frauen über Jahrzehnte hinweg war. Unterschwellig, aber konstant, liefert der Roman dabei einen Abriss der Frauenrechte seit den 1960er-Jahren und macht spürbar, wie viel Durchhaltevermögen, Anpassung und Kampfgeist nötig waren, um sich in einem männlich dominierten Literaturbetrieb zu behaupten.

Die zweite Zeitebene ist im Jahr 2005 angesiedelt, in dem Vera kurz vor ihrem 65. Geburtstag an ihrem letzten Roman arbeitet. Dass in diesem Jahr erstmals eine Frau zur Bundeskanzlerin gewählt wird, wird mehrfach betont. Ich vermute, um den gesellschaftlichen Wendepunkt zu markieren: Endlich werden Frauen sichtbar, endlich wird ihnen Kompetenz zugetraut. Die Parallele zu Veras eigener Biografie liegt nahe, wirkt aber nicht immer subtil.

Hinzu kommt eine dritte Ebene: der Roman im Roman. Immer wieder werden Passagen aus Veras Manuskript abgedruckt, das ebenfalls von einer starken Frauenfigur erzählt, die sich widrigen Umständen entgegenstellt. Die Intention dahinter ist nachvollziehbar, mir persönlich war diese Ebene jedoch zu präsent. Statt Veras Haltung indirekt erfahrbar zu machen, wird sie sehr explizit ausformuliert. Hier hätte weniger mehr sein können.

Besonders störend empfand ich die Darstellung von Veras Ehe. Ihr Mann Leo erscheint nahezu makellos: verständnisvoll, unterstützend, emotional stabil, kochend, ausgleichend – kurzum: der perfekte Partner. Diese Einseitigkeit nimmt der Beziehung jede Reibung und wirkt fast idealisiert, was dem ansonsten differenziert angelegten Roman nicht guttut.

Auch die zahlreichen historischen Referenzen hinterließen bei mir einen zwiespältigen Eindruck. Einzelne Aspekte sind durchaus spannend, insgesamt jedoch wirkt vieles zu dick aufgetragen, als wolle der Text sich zusätzlich legitimieren oder beschweren. Deutlich überzeugender war für mich der Blick hinter die Kulissen des Schreibens selbst: Die Einblicke in das Leben als Autorin – früher wie heute – haben ihren eigenen Reiz und gehören für mich zu den stärksten Momenten des Buches.

Mein Fazit:

“Es könnt so einfach” sein basiert auf einer starken, wichtigen Idee: der literarischen Würdigung weiblicher Lebens- und Arbeitsrealitäten über mehrere Jahrzehnte hinweg. In der Umsetzung jedoch verliert sich der Roman stellenweise in Übererklärungen, Symbolik und Idealisierungen. Was bleibt, ist ein ambitioniertes Buch mit klarem Anliegen, das in seinen besten Momenten überzeugt, insgesamt aber hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.

 
Vielen Dank an den Netgalley und das Bloggerportal für dieses Rezensionsexemplar.
 
 
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