|Rezension| Pause – Lena Kupke
Ein warmherziges Buch über das Nicht-mehr-Können und Wieder-Aufstehen
„Ich laufe die kleine Einkaufsstraße weiter hinunter und entdecke einen neuen riesigen dm. Ich stelle meinen Regenschirm in den dafür vorgesehenen Eimer am Eingang ab und fühle mich allein durch diese simple Geste wie eine Erwachsene, die alles im Griff hat.“ (S.72)
Inhalt
Nach einem einschneidenden Erlebnis zieht Hanna Hals über Kopf von Berlin in ihre alte Heimat Lüneburg zurück – zu ihren Eltern, in ihr altes Kinderzimmer, das mittlerweile das Büro ihres Vaters ist, samt Drucker, elektrischen Rollos und 90 cm Gästebett. Doch wie soll das funktionieren: ein Familienalltag von null auf hundert mit drei erwachsenen Menschen, die seit jeher Konflikte lieber unter den Teppich kehren, als sie zu klären? Zwischen alten und frischen Wunden muss Hanna lernen, sich selbst zu heilen und ihre Familie mit anderen Augen zu sehen. Und sie entdeckt, dass einen die Liebe auch in den in den hilflosesten Momenten findet…
Mein Eindruck
Manchmal gibt es Bücher, bei denen man schon nach wenigen Seiten merkt: Hier spricht jemand eine Sprache, die man versteht. Genau dieses Gefühl hatte ich beim Lesen von „Pause“ von Lena Kupke.
Schon nach wenigen Seiten merkt man, dass Lena Kupke nicht nur Autorin, sondern auch Comedian ist. Ihr Gespür für pointierte Beobachtungen und treffende Formulierungen zieht sich durch das gesamte Buch. Dabei ist „Pause“ trotz seines ernsten Themas alles andere als eine schwere Lektüre. Die Autorin verbindet schwierige Themen wie mentale Gesundheit, Überforderung und familiäre Konflikte mit viel Humor und einer überraschenden Leichtigkeit. Gleichzeitig gibt es Momente, in denen einem das Lachen im Hals stecken bleibt – weil der Humor genau dort trifft, wo es weh tut.
Im Mittelpunkt steht Hanna, die gezwungen ist, eine Auszeit von ihrem Leben zu nehmen. Zurück in ihrem alten Zuhause wird sie nicht nur mit ihrer Familie konfrontiert, sondern auch mit alten Wunden, verdrängten Gefühlen und der Frage, wie sie wieder zu sich selbst finden kann. Besonders gut gefallen hat mir, dass Hannas Trauma nicht ausführlich erklärt oder zum Mittelpunkt der Geschichte gemacht wird. Es bleibt angedeutet, denn entscheidend ist nicht unbedingt, was genau passiert ist, sondern wie Hanna mit ihrer aktuellen Situation umgeht. Wie schafft sie es, nach all dem weiterzumachen?
Der Gedanke, einfach eine Pause vom Leben einzulegen, klingt zunächst verlockend. Doch Hanna merkt schnell, dass sich das Leben nicht einfach anhalten lässt. Probleme verschwinden nicht, nur weil man ihnen eine Auszeit verordnet. Die eigentliche Dramatik des Buches liegt dabei nicht in großen Wendungen, sondern im Kleinen und im Alltäglichen. In unausgesprochenen Emotionen, familiären Dynamiken und der Schwierigkeit, ehrlich mit sich selbst und anderen umzugehen.
Besonders gelungen fand ich die Darstellung von Hannas Familie. Ihre Eltern stehen für eine Generation, die zwar immer da war, aber nie gelernt hat, über Gefühle, Probleme oder schwierige Themen offen zu sprechen. Diese Sprachlosigkeit wirkt sehr authentisch und zeigt, wie sehr alte Muster auch noch das Leben der nächsten Generation beeinflussen können.
Vielleicht hat mich das Buch auch deshalb so angesprochen, weil Lena Kupke genauso alt ist wie ich. Obwohl Hanna ein paar Jahre jünger ist, habe ich viele ihrer Gedanken und Erfahrungen wiedererkannt. Ich denke, dass viele Menschen, die in den 80ern geboren wurden, sich ein Stück in Hanna wiederfinden.
Hanna war für mich eine sehr sympathische und glaubwürdige Protagonistin. Ich habe sie gerne begleitet und hätte am Ende am liebsten noch ein bisschen mehr von ihrem Weg gelesen. Das offene Ende lässt die Tür für eine Fortsetzung offen. Und liebe Lena Kupke: Ich würde sie wirklich sehr, sehr gerne lesen!
Mein Fazit:
„Pause“ ist ein humorvoller, ehrlicher und gleichzeitig tiefgründiger Roman über mentale Erschöpfung, das Zurückfinden zu sich selbst und die Herausforderungen familiärer Beziehungen. Lena Kupke schafft es, ernste Themen mit viel Leichtigkeit zu erzählen, ohne sie kleinzureden. Ein Buch, das unterhält, berührt und an vielen Stellen genau deshalb wirkt, weil es das Leben mit all seinen kleinen und großen Schwierigkeiten zeigt.