|Rezension| Die Leuchtturmwärter – Emma Stonex

von | Mrz 17, 2024 | 0 Kommentare

Originell, fesselnd und unvorhersehbar!

Originaltitel: The Lamplighters
Übersetzung: Eva Kemper
Taschenbuch: 14,00 Euro
Ebook: 12,99 Euro
Erscheinungsdatum: 25.08.2021
Seiten: 432

„Arthur liest eine alte Ausgabe der National Geographic. Er macht sich keine Sorgen. Nach dem, was ihm passiert ist, gibt es auf lange Sicht wohl nicht viel, wovor er Angst hat. Deshalb habe ich kein schlechtes Gewissen. (…) Das Schlimmste hat er schon hinter sich.“ (S.169)

Inhalt

In der Silvesternacht verschwinden vor der Küste Cornwalls drei Männer spurlos von einem Leuchtturm. Die Tür ist von innen verschlossen. Der zum Abendessen gedeckte Tisch unberührt. Die Uhren sind stehen geblieben. Zurück bleiben drei Frauen, die auch zwei Jahrzehnte später von dem rätselhaften Geschehen verfolgt werden. Die Tragödie hätte Helen, Jenny und Michelle zusammenbringen sollen, hat sie aber auseinandergerissen. Als sie zum ersten Mal ihre Seite der Geschichte erzählen, kommt ein Leben voller Entbehrungen zutage – des monatelangen Getrenntseins, des Sehnens und Hoffens. Und je tiefer sie hinabtauchen, desto dichter wird das Geflecht aus Geheimnissen und Lügen, Realität und Einbildung.

Mein Eindruck

Ein Urlaub auf einer Insel mit Leuchtturm stand bevor und die passende Lektüre begegnete mir in der Kiste mit den Mängelexemplaren in der Buchhandlung: “Die Leuchtturmwärter” von Emma Stonex. Normalerweise hätten mich weder Titel noch Cover angesprochen, aber mir wurde der Roman vor einiger Zeit mal empfohlen und so beschloss ich nun,  ihm als Urlaubsbuch eine Chance geben (natürlich habe ich für einen 3 Tage-Urlaub noch 2 Ersatzbücher für den Notfalls eingepackt!). Die Bedingungen waren perfekt: Regen und Wind, eine Insel mit Leuchtturm – eine bessere Szenerie hätte ich zum Lesen dieses Buches nicht haben können.

Die Ausgangslage im Roman war vielversprechend: 20 Jahre nachdem drei Männer spurlos von einem Leuchtturm verschwanden, will ein Schriftsteller ein Buch über dieses Mysterium schreiben und sucht deshalb die Hinterbliebenen, genauer gesagt die Frauen der verschwundenen Leuchtturmwärter auf. Erzählt wird die Geschichte mittels zweier Erzählebenen: Zum einen erfahren wir durch die Interviews des Autors etwas über die hinterbliebenen Frauen und deren Theorien zum Verschwinden ihrer Männer. Der zweite Erzählstrang spielt in der Vergangenheit, genauer gesagt, in den Tagen, in denen die Männer verschwanden. Nach und nach löst sich das Mysterium ihres Verschwindens also auf. Und so viel kann ich verraten: Als Leser entwickelt man alle möglichen Theorien zum Verbleib der Leuchtturmwärter, aber am Ende stimmt keine davon. Allein deshalb lohnt es sich, diesen Roman zu lesen.

Es gibt aber noch mehr Gründe. Zentrales Thema ist neben der Frage nach dem “Was ist mit den Leuchtturmwärtern passiert?” der Umgang mit Trauer einerseits und die Auswirkungen der Vergangenheit auf unsere Gegenwart andererseits. Während ersteres vor allem bei den hinterbliebenen Frauen im Fokus steht, da jede von ihnen eine andere Strategie entwickelt hat, mit dem Verschwinden ihres Mannes umzugehen, spielt der Einfluss der Vergangenheit auf das einzelne Individuum vor allem bei den Leuchtturmwärtern eine Rolle. Jeder der Männer hat eine andere Motivation, der Arbeit als Leuchtturmwärter nachzugehen. Wer möchte schon freiwillig immer wieder mehrere Wochen auf engstem Raum, umgeben von Wasser, mit fremden Menschen eingesperrt sein, getrennt von den Menschen, die man liebt?  

Dieses Buch ist ein faszinierender Mix aus klugem Psychogramm und Kriminalgeschichte. Einzig die Sprache in Emma Stonex’ Debüt ist meines Erachtens ausbaufähig. Diese hat mich nicht überzeugt. Aber den Mangel an Originalität in ihren Sätzen macht die Autorin locker durch den originellen Inhalt und den nervenaufreibenden Spannungsbogen wett. 

Mein Fazit:

Dieser Roman ist genau richtig für Menschen, die mal wieder “etwas ganz anderes” lesen wollen, die abtauchen wollen in eine Geschichte, die sie nicht mehr loslässt und die sich gern von einem Plot überraschen lassen. Stonex’ “Die Leuchtturmwärter” hilft mit Sicherheit heraus aus der Leseflaute und überzeugt durch eine mitreißende Geschichte über Verlust und die Auswirkungen der Vergangenheit auf unsere Zukunft.

 
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