|Rezension| Wie man es vermasselt – George Watsky

von | Sep 3, 2017 | 0 Kommentare

Aus dem Leben eines Taugenichts?

Verlag: Diogenes
Originaltitel: How to ruin everything
Übersetzung: Jenny Merling
Gebundene Ausgabe: 22,00 Euro
Ebook: 18,99 Euro
Erscheinungsdatum: 23.08.2017
Seiten: 336

„Frauen, die ins Fitnessstudio gehen, stehen normalerweise auf Männer, die ins Fitnessstudio gehen. Und umgekehrt. Ich war zwar objektiv gerade im Fitnessstudio gewesen, aber deshalb konnte ich noch lange nicht von mir behaupten, dass ich ins Fitnessstudio ging. Genauso war auch schon ein Mann (und nicht nur einer) auf dem Mond gewesen, aber das meinte man nicht, wenn man vom Mann im Mond sprach.” (S.205)

Worum geht´s?

Brutal ehrlich und brüllend komisch erzählt George Watsky aus seinem Leben als junger Mann, als Musiker, als Freund und als Sohn, von Peinlichkeiten, Fehlstarts, Abfuhren und kleinen Triumphen. Denn nur das Scheitern ergibt Geschichten, die es zu erzählen und zu erleben lohnt. Dreizehn Stories eines vielseitigen Künstlers und großartigen Erzählers.

Cover und Titel

Mit “Wie man es vermasselt” weicht der Diogenes Verlag von seiner sonst so klassischen Covergestaltung völlig ab. Die typische Aufteilung eines Diogenes Covers aus einem Bild in der oberen Hälften sowie Titel und Autor in der unteren Bildhälfte wird hier völlig verworfen. Stattdessen ziehen sich Autorenname und Buchtitel über die komplette Seite und das in einer modernen, jugendlichen Schriftart, die am Ende auch noch aus der Reihe fällt und lediglich durch ein kleines grünes Kleeblatt ergänzt wird. Auch der Titel ist eher ungewöhnlich für einen Roman aus dem Hause Diogenes. Durch das unerspönliche “man” in “Wie man es vermasselt” vermittelt das Buch den Eindruck eines Ratgebers und nicht eines Romans. Es handelt sich bei diesem Titel um die mehr oder weniger wörtliche Übersetzung des Originaltitels “How to ruin everything”.

 

Mein Eindruck

Eigentlich hatte mich der Klappentext von George Watskys “Wie man es vermasselt” gar nicht so sehr angesprochen. Was mich allerdings an diesem Roman gereizt hat, war die Tatsache, dass er optisch so gar nicht in das Diogenes Programm zu passen scheint. Irgendwas muss also dran sein an diesem Herrn Watsky, wenn die Übersetzung von “How to ruin everything” ausgerechnet bei Diogenes erscheint. Zusätzlich angesprochen hat mich der Umstand, dass es sich bei dieser Geschichte ganz offensichtlich um die Sammlung von autobiografisch geprägten Episoden handelt.

Wer keine Kurzgeschichten mag und deshalb vielleicht von vornherein um dieses Buch einen Bogen macht, dem sei zu Beginn gesagt: Dies ist keine Sammlung von abgeschlossenen Kurzgeschichten im eigentlichen Sinn. Vielmehr liest sich dieses Buch wie ein Roman in dreizehn Kapiteln, da der Protagonist – George Watsky – immer der gleiche ist und auch die anderen Charaktere sich wiederholen.

Nun könnte man außerdem voller Vorbehalte denken: Schuster bleib bei deinen Leisten. Sucht man nämlich im Internet nach George Watsky springt einem überall sein Beruf Rap Musiker entgegen. Und so einer soll schreiben können? Ich war zugegebenermaßen auch skeptisch, aber nach dem Rap Musiker stand in der Personenbeschreibung außerdem “preisgekrönter Poetry Slammer”. Und schon war ich neugierig.

Eins steht fest: George Watsky kann schreiben! Daran hatte ich bereits nach den ersten Seiten keine Zweifel mehr. Auf sehr humorvolle, aber nie lächerliche Art und Weise schildert er absurde Episoden seines Lebens mit einer unvergleichlichen Selbstironie, die dieses Buch so unterhaltsam macht wie ein schummriges Lagerfeuer mit Freunden am Strand. Obwohl George Watsky Dinge erlebt, die für mich so fremd sind wie ein Flug zum Mond, fühlte ich mich durch seine authentische Schilderungen und ironischen Blick auf scheinbar große Erfolge (ein eigener Tourbus) oder schlimme Niederlagen (ein kaputter Tourbus) stets verbunden.

Bei dem Titel “Wie man es vermasselt” könnte man vermuten, man hat es hier mit dem Prototyp des amerikanischen Verlierers zu tun, der nichts auf die Reihe bekommt und den man bemitleiden soll – aber das trifft so gar nicht den Kern dieses Romans. Der Autor will kein Mitleid erheischen, sondern vielmehr den Lesern auf humorvolle Art zeigen, dass Pleiten, Pech und Pannen zum Leben dazu gehören und man trotzdem die Lebenfreude nicht verlieren sollte. Diesen Grundtenor des Buches mochte ich sehr und habe es deshalb auch in vergleichweiser kurzer Zeit zuende gelesen.

Mein Fazit:

“Wie man es vermasselt” ist eine kurzweilige, unterhaltsame Lektüre mit einem sympathischen und selbstironischen Autor als Protagonisten, der verschiedenste Episoden seines Lebens erzählt, die letztlich beweisen: Auch wenn man das ein oder andere Mal (selbst verschuldet oder nicht) auf die Nase fällt, lohnt es sich durchzuhalten. Denn auch jemand, der mal philosophische Gedanken über seine Kotze in der Badewanne anstellte, kann später ein Buch im Diogenes Verlag veröffentlichen 😉

 

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für dieses Rezensionsexemplar.
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