|Rezension| Das Rauschen in unseren Köpfen – Svenja Gräfen

von | Jul 17, 2017 | 0 Kommentare

Das richtige Buch zur falschen Zeit?

Gebundene Ausgabe: 16,00 Euro
Ebook: 13,99 Euro
Erscheinungsdatum: 07.04.2017
Seiten: 240

„Da ist nun eben all dieses ekelhafte Ziehen und da gibt es diesen einen Geruch, der sich manchmal aus dem Hinterhalt einer winzigen Erinnerung in deine Nase schleicht und dir dann Bauchschmerzen macht.“ (S.230)

 

Worum geht´s?

Lene lebt mit ihrer besten Freundin in einer WG in einer großen Stadt, ihre liebevolle Familie und der Freundeskreis geben Halt. Als sie Hendrik begegnet, scheint ihr Glück perfekt. Sie plant eine gemeinsame Zukunft, doch Hendriks Vergangenheit schleicht sich in ihr Leben ein. Da ist seine zerrüttete Familie, sein bisweilen merkwürdiges Verhalten. Und Klara.

 

Cover und Titel

“Das Rauschen in unseren Köpfen” ist für mich einer der schönsten Buchtitel des Jahres. Ich liebe diese Metaphorik, die Poesie und dass er in Verbindung mit dem Cover ganz anders wirkt als für sich allein. Während der Titel also in gelben Großbuchstaben auf dem Cover prangt, ist im Hintergrund eine blaue Zeichnung eines sich fast küssenden Paares auf schwarzen Hintergrund zu sehen, die mich irgendwie an die 70er Jahre erinnert. Damit wirkt das Buch insgesamt sehr modern und frisch – ich war von dem ungewöhnlichen Cover jedenfalls sofort begeistert.

 

 

Mein Eindruck

Es gibt Bücher, die liest man atemlos in einem Rutsch von vorn bis hinten, durch wieder andere quält man sich mehr, sei es aufgrund eines nicht ansprechenden Schreibstils, langweiligen Themas oder weil man schlichtweg nichts mit der Geschichte anfangen kann. Um Svenja Gräfens “Das Rauschen in unseren Köpfen” zu lesen, habe ungewöhnlich viel Zeit benötigt und daran ist keines der eben geschilderten Probleme Schuld. Im Gegenteil: Der Schreibstil ist überragend und außergewöhnlich, ihr Plot dafür an sich umso gewöhnlicher und das meine ich durchaus positiv: Jeder, der schon einmal verliebt war, wird sich in Gräfens Protagonstin Lene hineinversetzen können: Die Euphorie der Anfangszeit das Gefühl, sein Glück nicht fassen zu können und plötzlich die ersten Zweifel, Ängste und Sorgen, dass dieser Zustand nicht ewig anhalten könnte. Sind ihre Sorgen berechtigt? Oder nur ganz natürliche Ängste, die jeder hat, der sich einem Menschen geöffnet hat? Wie wirkt sich die Vergangenheit auf die Gegenwart auf? Kann man das eine Leben abschließen und nur mit einem Rucksack bepackt ein neues Leben beginnen?

Diesem “Rauschen in unseren Köpfen” geht die Autorin mit kontinuierlich leisen Tönen, ohne große Liebesbekundungen und Dramatik, dafür mit gut durchdachten Schachtelsätzen und klugen Beobachtungen nach. Diese spezielle und sehr sensible Art sich diesem Thema, das schon tausendfach in der Literatur verarbeitet wurde, zu nähern, macht diesen Roman einziehgartig.

Warum habe ich trotzdem über eine Woche für 240 Seiten, die man auch locker an einem Tag lesen könnte, gebraucht? Ich denke, es liegt am Ton des Romans, denn dieser ist wirklich sehr, sehr melancholisch. Als ich das Buch las, war ich nicht in der Verfassung so viel versteckte Traurigkeit zu verkraften bzw. abzuschütteln. Deshalb musste ich das Buch immer wieder nach 10-20 Seiten beiseite legen. Ich weiß nicht, ob ich das Gelesene zu einem anderen Zeitpunkt anders verkraftet hätte und dann den Roman durch und durch positiv bewerten würde. Fakt ist aber: Ich befinde mich in einer glücklichen Beziehung, insofern geht das Thema an sich mir aktuell eigentlich nicht besonders nahe, aber die Melancholie von “Das Rauschen in unseren Köpfen” war für mich trotzdem kaum auszuhalten.

Mein Fazit:

Dennoch kann ich jede Lobeshymne auf diesen Roman absolut nachvollziehen, denn zweifelsohne ist Svenja Gräfen eine herausragende Schriftstellerin, die sehr klug und eigenwillig über die Liebe schreibt. Deshalb möchte ich an dieser Stelle nochmal ausdrücklich erwähnen, dass meine Bewertung absolut subjektiv ist und sich auf meinen Leseeindruck bezieht. Objektiv betrachtet, gibt es an “Das Rauschen in unseren Köpfen” definitiv viel mehr Positives zu loben als Negatives zu kritisieren.

 

 

 

Vielen Dank an die Ullstein Verlage für dieses Rezensionsexemplar.

 

 

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