|Rezension| Pina fällt aus – Vera Zischke

von | Apr. 26, 2026 | 0 Kommentare

Ein stilles Highlight, das mich komplett abgeholt hat!

Verlag: List
Gebundene Ausgabe: 21,99 Euro
Ebook: 18,99 Euro
Erscheinungsdatum: 26.03.2026
Seiten: 302

„Erwachsen sein, das bedeutet doch nicht, dass einem niemand mehr etwas sagt. Erwachsen sein heißt zu tun, was man sich vorgenommen hat, und niemand anderem die Schuld zu geben, wenn es schiefgeht“ (S.147)

Inhalt

Als Pina mitten auf der Straßenkreuzung zusammenbricht, hat sie nur einen Gedanken: Wer kümmert sich jetzt um Leo? Ihr Sohn ist zwanzig Jahre alt und lebt in seiner eigenen Welt, die außer ihm nur Pina kennt. Morgens verlässt er das Bett erst, wenn eine grüne Blase in seiner Lavalampe aufsteigt. Wenn er Treppen geht, dann in seinem eigenen Rhythmus: immer zwei Schritte vor und einen Schritt zurück. Die übrigen Hausbewohner verstehen den merkwürdigen Jungen nicht. Die sechzehnjährige Schulabbrecherin Zola, der resignierte Einsiedler Wojtek und die lebensmüde Seniorin Inge haben mit sich selbst schon genug zu tun. Doch jetzt liegt Pina auf der Intensivstation und Leo ist zum ersten Mal allein in der Wohnung. Die Nachbarn sind in Schockstarre. Sie können doch wohl nicht zuständig sein! Aber Leo braucht sie. Und während diese ungewöhnliche Truppe durch einen völlig neuen Alltag stolpert, realisiert jeder Einzelne von ihnen: Sie brauchen Leo auch. 

Mein Eindruck

Nachdem mich „Ava liebt noch“ von Vera Zischke letztes Jahr komplett begeistert hat – so sehr, dass ich das Buch direkt verschenkt habe –, war für mich klar: Das nächste Buch der Autorin muss ich zumindest anschauen. Bei „Pina fällt aus“ war ich anfangs allerdings unsicher, ob mich das Thema wirklich abholt. Nachdem ich das Ebook über Netgalley gelesen hatte, stand aber schnell fest: Dieses Buch brauche ich auch im Regal. Gute Bücher gehören schließlich ins Regal. So will es das Gesetz.

In „Pina fällt aus“ kümmert sich die Titelgeberin allein um ihren zwanzigjährigen autistischen Sohn Leo. Dieser braucht feste Abläufe und klare Strukturen, um seinen Alltag zu bewältigen. Als Pina plötzlich zusammenbricht und länger im Krankenhaus bleibt, steht alles still. Denn wer kümmert sich jetzt um Leo? Widerwillig werden die Nachbarn in diese Situation hineingezogen und müssen dabei nicht nur Verantwortung übernehmen, sondern auch ihre eigene Komfortzone verlassen.

Das Buch behandelt unglaublich viele wichtige Themen: Care-Arbeit, Einsamkeit, Überforderung, unser Gesundheitssystem, Inklusion und den enormen Druck, unter dem Alleinerziehende stehen. Und trotzdem fühlt sich die Geschichte nie schwer an. Im Gegenteil: Sie ist sehr berührend und voller Wärme.

Besonders mochte ich die Mischung aus Schwere und Hoffnung. Obwohl die Situationen oft traurig und belastend sind, schafft Vera Zischke es immer wieder, Humor einzubauen: diesen leisen, ehrlichen Humor, bei dem man plötzlich lachen muss, obwohl einem eigentlich eher zum Weinen zumute ist. Genau das hat sich für mich unglaublich echt angefühlt.

Auch die Figuren wirken nie konstruiert, sondern wie Menschen, die man tatsächlich kennen könnte. Ich habe nicht nur Leo und Pina in mein Herz geschlossen, sondern auch Inge, Woitek und Zola. Alles ist sensibel und realistisch erzählt. Nachdem ich gelesen habe, dass die Autorin selbst Mutter eines autistischen Sohnes ist, hat für mich vieles noch mehr Sinn ergeben. Diese Authentizität spürt man auf jeder Seite.

„Pina fällt aus“ erzählt von Menschen, die funktionieren müssen, obwohl sie längst an ihre Grenzen gekommen sind. Von Verantwortung, die unsichtbar bleibt. Und davon, wie wichtig Zusammenhalt sein kann. Gerade deshalb finde ich dieses Buch so wichtig: es spricht Themen an, über die viel zu selten offen gesprochen wird.

Mein Fazit:

Vera Zischke ist ein ehrlicher, berührender Roman gelungen, der ohne Kitsch oder falsches Mitleid auskommt. Mit viel Feingefühl, starken Figuren und einer guten Portion Situationskomik erzählt sie von Überforderung, Verantwortung und Menschlichkeit. “Pina fällt aus” ist ein außergewöhnliches Buch, das nachhallt (Im Kühlschrank ist immer das Licht an!) und das ich sehr gern weiterempfehle.

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