|Rezension| You an me. Die zweite erste Liebe – Josie Lloyd/ Emlyn Rees
Über die Liebe nach dem Happy End
„Glück ist, wenn man lernt, das zu lieben, was man hat.“ (S.88)
Inhalt
Es war die große Liebe, als Adam und Jules sich 1989 kennengelernt haben. 35 Jahre später ist ihre Ehe längst im Alltagstrott festgefahren. Zwischen Jobs, Kindern und kleinen und großen Sorgen ist die Liebe irgendwie auf der Strecke geblieben. Oder vielleicht doch nicht?
Eines Tages stolpert Adam über eine Kiste alter Mixtapes, die er und Jules füreinander aufgenommen haben, als sie jung und frisch verliebt waren. Was würde er dafür geben, um sich noch einmal so unbeschwert zu fühlen? Kurzerhand legt Adam eine der Kassetten ein, drückt auf Play – und das Unglaubliche geschieht: Sein Wunsch wird wahr, und er reist für wenige Stunden in der Zeit zurück, zu einem der schönsten und unvergesslichsten Tage in ihrer Beziehung. Von nun an können er und Jules zu den Klängen ihrer Lieblingssongs wichtige Momente aus ihrer Vergangenheit erneut erleben. Ist dies die Chance auf einen Neubeginn? Um sich wieder jung zu fühlen? Um sich daran zu erinnern, warum sie sich ineinander verliebten? Aber vielleicht auch, um ein paar klitzekleine Änderungen vorzunehmen, die ihr Leben in der Gegenwart verbessern könnten…
Mein Eindruck
Ich greife eigentlich lieber zu realitätsnahen Geschichten. „You and Me“ von Josie Lloyd und Emlyn Rees hat mich trotzdem sofort gereizt – trotz seines Zeitreise-Aspekts. Zum einen wegen des Plots und der Rolle, die Musik darin spielt, zum anderen aber auch wegen der Verlagsankündigung, das Buch sei „für alle, die Harry und Sally, Zwei an einem Tag oder Wedding People geliebt haben“. Zugegeben: Damit hatte man mich ziemlich schnell. Und dass hinter dem Roman ein Autorenduo steckt, das seit über 25 Jahren ein Paar ist, hat meine Neugier nur noch verstärkt, geht es doch in “You and Me” auch um ein Ehepaar, das seit 25 Jahren verheiratet ist.
Im Mittelpunkt stehen Jules und Adam, ein Ehepaar, das sich – wie so viele – im Alltag verloren hat. Zwischen Verpflichtungen, Routinen und unausgesprochenen Erwartungen ist die Nähe von früher abhandengekommen. Genau hier setzt die Geschichte an – mit einer originellen Idee: Was wäre, wenn man in die eigene Vergangenheit reisen und Entscheidungen verändern könnte? Könnte man eine festgefahrene Beziehung dadurch retten? Oder macht man am Ende alles nur noch komplizierter?
Besonders schön fand ich die Ausflüge in die Vergangenheit, die stark von 90er-Jahre-Nostalgie geprägt sind. Mix-Tapes, Musik und Erinnerungen spielen eine zentrale Rolle und verleihen dem Roman eine ganz eigene Atmosphäre. Gerade diese Rückblicke in die gemeinsame, glücklichere Zeit von Jules und Adam haben für mich gut funktioniert. Es war spannend zu beobachten, wie scheinbar kleine Veränderungen große Auswirkungen auf die Zukunft haben können.
Gleichzeitig erzählt der Roman sehr nachvollziehbar, wie sich Paare im Laufe der Jahre auseinanderleben können. Diese schleichende Entfremdung, das Nebeneinanderherleben, kleine Geheimnisse voreinander haben, das Gefühl, sich irgendwie verloren zu haben ist durchaus realistisch und glaubwürdig dargestellt. Jules und Adam wirken wie echte Menschen mit echten Problemen, was es leicht macht, sich in ihre Situation hineinzuversetzen. Ich will dem Autorenpaar wirklich keine Eheprobleme unterstellen, aber ich wage mich soweit vor, als dass ich behaupte: Die beiden wissen, worüber sie schreiben. Die Authentizität kommt nicht von ungefähr.
Was mich überrascht hat: Die Geschichte ist weniger leicht und oberflächlich, als Titel und Cover zunächst vermuten lassen. Hinter der romantischen Grundidee steckt mehr Ernsthaftigkeit, als ich erwartet hätte, was mir sehr gut gefallen hat. Sprachlich ist der Roman sehr zugänglich und leicht zu lesen.
Für mich lag die eigentliche Stärke des Buches aber in seiner Botschaft: Sobald man aufhört, wirklich miteinander zu sprechen, entstehen Missverständnisse, Distanz und irgendwann vielleicht auch das Gefühl, sich gar nichts mehr zu sagen zu haben. Und genau das zeigt das Autorenduo in „You and Me“ auf eine sehr greifbare Weise.
Mein Fazit:
“You and Me – Die zweite erste Liebe” ist ein origineller, warmherziger Roman, der eine bekannte Beziehungsdynamik mit einem ungewöhnlichen Element verbindet. Vielleicht ist es nicht das tiefgründigste Buch, aber eines mit einer schönen Idee und einer wichtigen Botschaft: Manchmal muss man nicht die Vergangenheit ändern, sondern einfach wieder anfangen, miteinander zu reden.