|Rezension| Du wirst mein Herz verwüsten – Morgane Ortin

von | Feb 23, 2020 | 0 Kommentare

Verliebt in die Liebe

Verlag: Blumenbar
Übersetzung: Annabelle Hirsch
Originaltitel: Amours solitaires
Gebundene Ausgabe: 20,00 Euro
Ebook: 14,99 Euro
Erscheinungsdatum: 18.02.2020
Seiten: 288

„Du hast meinen Blick auf die Welt verändert. Ich will sie nicht verlassen, ich will, dass wir sie zusammen entdecken und ausschöpfen. Du hast mich verändert. Und es gefällt mir. Mir gefällt diese Macht, die du über mich, über uns hast, diese Macht, der du dir nicht bewusst bist. […] Bevor du in mein Leben getreten bist, stand ich allein in der Menschenmenge, ich hatte Angst, glücklich zu sein, Angst, an etwas Schönes zu glauben. Ich suhlte mich in meiner Trauer, fühlte mich von ihr beschützt, sie war bequem und beruhigend. Und dann kamst du.“ (S.102)

Inhalt

Sie begegnen sich, verlieben, verzehren und verlieren sich. Und sie schreiben sich – immerzu und überall. Kurznachrichten. In den Rauschmomenten des ersten Verliebtseins, in den Wellen der Lust bis zu den großen Zweifeln und Ängsten. “Du wirst mein Herz verwüsten” ist die Geschichte von zwei Menschen, die sich finden, sich lieben und allen Beziehungsfragen gegenüberstehen. Es ist die universelle Geschichte der Liebe von heute. Morgane Ortin hat den Sound unserer Zeit in einen Liebesroman gegossen. Ihr Buch ist ein sanfter Appell an die Kraft der Romantik, an die Poesie der Liebe im Hier und Jetzt.

Mein Eindruck

Normalerweise kaufe ich nie spontan ein Buch. Vielmehr recherchiere ich vorher erst Rezensionen im Netz oder frage andere befreundete Leser, ob sie das Buch schon kennen und empfehlen können. Bisher habe ich lediglich zwei Bücher aus einem spontanen Impuls heraus gekauft. Das erste war Daniel Glattauers „Gut gegen Nordwind“ und zählt bis heute zu meinen Lieblingsbüchern. Das zweite ist „Du wirst mein Herz verwüsten“ von Morgane Ortin. Es ist offensichtlich, dass es gewisse Parallelen zwischen beiden Büchern gibt: Sie erzählen beide eine Liebesgeschichte in Form eines Briefromans, wobei es sich bei „Gut gegen Nordwind“ um eine Kommunikation per E-Mail handelt und bei „Du wirst mein Herz verwüsten“ lediglich per Kurznachricht kommuniziert wird. Beide Romane bestehen ausschließlich aus dieser elektronischen Kommunikation. 

Morgane Ortin versammelt auf ihrem Instagram-Account anonymisierte Liebes-Nachrichten, die ihre Follower ihr zur Verfügung gestellt haben. Diese sind die Grundlage für den vorliegenden Roman, in dem der Leser die SMS-Kommunikation eines namenlosen Mannes und einer namenlosen Frau vom ersten Kennenlernen, über die erste Phase der Verliebtheit bis zum ersten Krise und darüber hinaus verfolgen kann.

Optisch ist der Inhalt des Romans an das Format der Kurznachrichten eines Smartphones angelehnt. Die Texte sind wechselseitig links und rechts in Sprechblasen angeordnet und mit Datum und Uhrzeit überschrieben. Es gibt einige leere Seiten für die Tage, an denen keine Kommunikation zwischen den beiden stattfindet. So ist dieses Buch sehr kurzweilig und innerhalb von wenigen Stunden ausgelesen.

Der Austausch beider ist ungewöhnlich poetisch und in dieser reinen Form wohl in der Realität eher selten zu finden. Wie im Rausch verfolgt man als Leser die wachsenden Gefühle zwischen den beiden Schreibenden, taucht ein in eine rosarote Welt, die für einen kleinen Moment perfekt zu sein scheint. Bei einigen der Nachrichten erinnert man sich vielleicht an eigene, die man mal gesendet oder empfangen hat, bei anderen wiederum wünscht man sich, jemand würde einem solch eine gefühlvolle Nachricht schreiben. Der Ton wechselt in den Nachrichten je nach Status der Beziehung zwischen flirty, romantisch, verführerisch, sinnlich und später auch melancholisch und verzweifelt.

Anders als bei „Gut gegen Nordwind“, in dem der Wortwitz in den E-Mails mindestens halb so viel von der Qualität des Romans ausmacht wie seine eigentliche Story, liegt der Fokus in „Du wirst mein Herz verwüsten“ eher auf den Worten, die Liebende finden, um ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. An dieser Stelle muss angemerkt werden, dass Annabelle Hirsch die ursprünglich französischen Nachrichten hervorragend übersetzt, so dass zumindest mir beim Lesen keine holprigen Formulierungen aufgefallen sind. 

Fraglich bleibt allerdings, wie hoch die Eigenleistung der Autorin, die die über 200 Kurznachrichten-Verläufe ihrer Follower als Grundlage hatte, bei diesem Roman ist und ob ein Buch mit weniger als 300 Seiten, bei dem es auch noch viele Leerseiten gibt, wirklich 20 Euro kosten muss. Morgane Ortin kann zweifellos schreiben, was man an dem jeweils sehr eindringlichen Vor- und Nachwort des Romans merkt. Ich würde ihr nächstes Buch, das vielleicht ohne Vorlagen auskommt, definitiv lesen. 

Mein Fazit:

„Du wirst mein Herz verwüsten“ ist genauso poetisch wie der Titel es verspricht und präsentiert dem Leser anhand von Kurznachrichten die Geschichte von zwei Menschen, die sich treffen, sich verlieben, sich ewige Liebe schwören bis ein Konflikt und eine damit einhergehende Entfremdung auftritt. Im Buch heißt es an einer Stelle „Du wirst das bestimmt blöd finden, aber ich habe mich wegen dir in die Liebe verliebt.“ Genau das machte dieser Kurznachrichten-Roman mit mir: Ich habe mich dank ihm und dem sehr lesenswerten Vor- und Nachwort der Autorin in die Liebe verliebt und unterstütze das flammende Plädoyer Morgane Ortins die Liebe wieder salonfähig zu machen, über sie zu sprechen und damit aufzuhören, Spielchen zu spielen. 

 
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