|Kinderliteratour| Vorher und Nachher – Doris und Johanna Rübel

von | Okt 13, 2017 | 0 Kommentare

Ungewöhnlich umfangreiches Bilderbuch mit Schwächen

Verlag: Carlsen
Pappbilderbuch: 12,99 Euro
Erscheinungsdatum: 28. April 2017
Seiten: 96
Altersempfehlung: ab 2 Jahren

 

Worum geht´s?

Zwei Kinder stehen vor einem alten braunen Zaun – und dann? Malen sie ihn an! Zwei andere Kinder streiten um einen Teddy … Ein Junge mit Schwimmflügel steht am Beckenrand … Ein Mädchen gießt kleine Pflanzen … Ein Kind spielt abseits vom Sandkasten … So beginnen manche der vielen Zwei-Bilder-Geschichten in diesem unerschöpflichen Kleinkind-Bilderbuch. Und immer stellt sich die Frage: Was passiert dann? Hier erfahren schon die Kleinsten, dass es immer ein Vorher und ein Nachher gibt, aber vielleicht nicht immer wie erwartet, oder doch?

Unser Eindruck

Mit der Rezension zu diesem Kinderbuch habe ich mich lange Zeit schwer getan. Der Grund ist folgender: Weder unser Sohn noch wir Eltern können mit diesem Buch etwas anfangen, obwohl es schon ein knappes halbes Jahr in unserem Besitz ist und wir viele Versuche unternommen haben, es mit unserem Sohn anzuschauen. Doch was stört uns konkret an “vorher und nachher”?

Zunächst zu den positiven Aspekten von “vorher und nachher”: Besonders auffällig ist der ungewöhnliche Umfang des Buches, das stolze 96 Seiten umfasst. Damit kann man theoretisch mit dem Anschauen und Erklären dieses Buches mehr Zeit verbringen als mit einem gewöhnlichen Bilderbuch für Kinder ab zwei Jahre.

Auf zwei aufeinanderfolgenden Doppelseiten wird jeweils eine zusammenhängende “vorher”- und eine “nachher”-Szene aus dem Alltag von Kindern dargestellt. Zu sehen sind z.B. Kinder, die mit einem Schlitten einen Berg hinauflaufen und diesen dann herunterfahren, eine vermeintlich voll gefressene Katze, die dann Junge bekommt oder ein Kind am Schwimmbeckenrand, das dann hineinspringt. Die dargestellten Szenen sind optisch nah an der Realität und so für Kleinkinder gut erkennbar. Immer sind Kinder (übrigens verschiedener Herkunft, was mir sehr gut gefällt) die entsprechenden Hauptdarsteller und die Illustrationen sind ansprechend, nicht zu knallig oder überladen, sondern auf das Wesentliche fokussiert.

Warum wird dieses Buch vom Sohnemann trotzdem nicht beachtet? Zum einen habe ich das Gefühl, dass er mit den rund 30 “vorher-nachher”-Szenarien überfordert ist. Da die Pappseiten relativ dünn sind, überblättert man schnell mal eine Seite und schon ergeben die aufeinanderfolgenden Szenen keinen Sinn mehr. Zum anderen sind viele der Szenen auch für mich als Elternteil schwer zu erläutern. Auf kleine Erklärungen am Bildrand hofft man vergeblich. Zwar gibt es in der “vorher”-Szene immer ein wenig Text, aber dieser ist nicht deskriptiv, sondern meist ein Ausruf oder eine kurze Frage. Hier wäre eine erläuternde Beschreibung wünschenswert gewesen.

Mir stellte sich immer wieder die Frage nach dem pädagogischen Nutzen des Buches. Der Versuch, den Sohn raten zu lassen, was auf der nachfolgenden Seite passiert, scheitere kläglich. Möglicherweise ist er auch noch zu jung, um den Sinn dieses Buches vollständig zu erfassen. Um neue Wörter zu lernen, ist dieses Buch aufgrund der minimalistischen Illustrationen und Texte jedenfalls ungeeignet und deshalb vermutlich bei uns gerade nicht angesagt.

 

Mein Fazit:

Die Idee eines “vorher-nachher”-Buches für Kinder ist interessant, meiner Meinung hier aber schlecht umgesetzt. Eventuell ist unser Sohn (2 Jahre) aber auch noch mit den vielen verschiedenen dargestellten Szenen überfordert und hat in ein paar Monaten Freude an dem Buch. Ich wurde aber trotz mehrmaliger Versuche auch nicht warm mit diesem Bilderbuch, da mir insgesamt der Zusammenhang fehlte und ich mit Erläuterungen der dargestellten Szenen schwer tat. 

Vielen Dank an arsEdition für dieses Rezensionsexemplar.
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