|Rezension| Alles, was ich sehe – Marci Lyn Curtis

von | Feb 15, 2017 | 1 Kommentar

Wenn du plötzlich blind bist…

Originaltitel: the one thing
Übersetzung: Nadine Püschel
Gebundene Ausgabe: 18,99 Euro
Ebook: 10,99 Euro
Erscheinungsdatum: 18.03.2016
Seiten: 432

„Also beschäftigte ich mich einen beglückenden Nachmittag lang mit ‚Orientierung im Straßennetz‘ und dem ‚Sicheren Überqueren von Kreuzungen‘. Was mir beides so leicht und natürlich vorkam wie die Benutzung eines Skilifts mit einem Neugeborenen in einem Arm und einem Eierkarton unter dem anderen.“ (S.150)

Worum geht´s?

Maggie hasst ihr neues Leben als Blinde. Sie will keine tapfere Kranke sein, und auf Unterricht von anderen Blinden kann sie gut verzichten. Nach einem missglückten Streich passiert es: Sie kann wieder sehen! Nur einen Ausschnitt der Welt, genauer: einen zehnjährigen Jungen namens Ben. Mit Hilfe des altklugen und hinreißenden Jungen scheint sie einen Teil ihres alten Lebens zurückzubekommen. Und Bens großer Bruder Mason ist Sänger in Maggies Lieblingsband. Und ziemlich attraktiv. Doch er lässt sie abblitzen, weil er denkt, dass Maggie ihre Blindheit vortäuscht – was ja irgendwie stimmt.
Dann kommt heraus, warum sie ausgerechnet Ben sehen kann.

Cover und Titel

Das Cover von „Alles, was ich sehe“ wird durch den längs über die Seite illustrierten Titel und die Fotografie einer jungen Frau mit geschlossenen Augen im Hintergrund bestimmt. So wird gleich doppelt deutlich gemacht, dass das Thema „sehen“ bzw. „nicht sehen“ hier eine zentrale Rolle spielt. Eingerahmt wird das Ganze von einem bunten Blumenmuster, dass dem Cover eine gewisse heitere Note verleiht. Insgesamt ist es definitiv eine Augenweide und auch der Grund warum ich auf den Roman aufmerksam geworden bin.

Mein Eindruck

Ich mag Bücher, die sich mit einer Thematik fernab des Mainstreams beschäftigen. Gerade bei Jugendbücher findet man solche Exemplare eher selten. In „Alles, was ich sehe“ stellt Marci Lyn Curtis eine durch eine Hirnhautentzündung erblindete Jugendliche in das Zentrum ihrer Geschichte und weicht damit von dem üblichen „Junge und Mädchen treffen sich und verlieben sich“ ab. Zwar geht es hier auch um eine Liebesgeschichte, aber diese ist für die Story gar nicht entscheidend und wäre meiner Meinung nach sogar verzichtbar gewesen. Denn ganz klar profitiert der Plot am meisten von seiner charakterstarken Protagonistin. Maggie findet sich nur schwer mit ihrer Erblindung ab, hat keine Wünsche und Träume mehr und trieft förmlich vor Sarkasmus. Letzteres macht sie unglaublich sympathisch und natürlich auch sehr witzig.

Zum Plot will ich gar nicht so viel schreiben, da alles Wesentliche bereits im Klappentext steht. Wie oben bereits erwähnt, hätte die Autorin getrost auf den Handlungsstrang mit dem gutaussehenden Sänger der berühmtesten Band ever verzichten können, der dieser war – im Gegensatz zum restlichen Plot – doch sehr klischeehaft. Dafür konnte mich der Rest umso mehr überzeugen. Vor allem wie authentisch und sensibel Marci Lyn Curtis dem Leser die Gedanken und Gefühle eines blinden Mädchens nahe bringt ohne den Roman in ein medizinisches Nachschlagewerk zu verwandeln, hat mich sehr beeindruckt. Es ist aufregend, manchmal auch beängstigend und traurig, aber oft auch sehr witzig Maggie dabei zu begleiten wie sie versucht, sich in der für sie völlig neuen Welt zurechtzufinden. Dabei fand ich gerade ihre leicht rotzige Haltung so liebenswert, dass sie sich nicht gleich mit diesem Schicksalsschlag arrangiert „und das Beste draus macht“.

Der Schreibstil der Autorin ist trotz der Schwere des Themas und der damit verbundenen Emotionalität von einer gewissen Leichtigkeit, die dem Roman gut tut und ihn zu einem wirklich schönem Leseerlebnis macht.

Mein Fazit:

„Alles, was ich sehe“ ist ein ganz besonderer Jugendroman, der nicht nur durch seine blinde Protagonistin, sondern auch durch eine spannende Handlung fast frei von Klischees (den heißen Sänger der Lieblingsband ausgenommen) im Meer der Jugendliteratur hervorsticht. Die Geschichte ist genauso schön wie das Cover: konzentriert auf die Protagonistin, bunt, sinnlich, inspirierend und definitiv eine Bereicherung im Bücherregal.

 

Vielen Dank an den Carlsen Verlag für dieses Rezensionsexemplar.
Weitere Rezensionen zum Buch:
Share This
Zur Werkzeugleiste springen